Kriterien für die Domainauswahl

DomainauswahlIn den letzten Wochen und Monaten war und bin ich wieder sehr aktiv dabei, auslaufende Domains zu backordern bzw. frei gewordene Domains zu prüfen und schnell wieder zu registieren. Das kostet jeden Tag zwar ein paar Minuten Zeit, hat aber den Touch von einer Schatzsuche und macht mir auch viel Spaß. Fast könnte man meinen, dass es eine Sucht ist, denn obwohl ich mir gegen Ende letzten Jahres vorgenommen habe, mein Portfolio an Domains (damals etwa 350 Domains) zu verkleinen, bin ich mittlerweile bei fast 500 Domains angekommen.

Dabei ist es bei mir aber auch zu einem ziemlich großen Strategiewechsel gekommen. Während ich bis Mitte letzten Jahres noch fast jede Domain mitgenommen habe, versuche ich jetzt primär .de Domains mitzunehmen und habe meine Kriterien für die Domainauswahl auch strenger gefasst. Ziel ist es, mehr auf Qualität statt auf Quantität zu gehen. Auch wenn die oben genannten Zahlen dem eigentlich wiedersprechen, habe ich in letzter Zeit viele Domains aus der Anfangszeit günstig verkauft oder gelöscht, weil sie mir nach den neuen Kriterien nicht mal mehr die Regfees wert waren. Auf der anderen Seite sind viele Domains hinzugekommen, wo sich wirklich etwas draus machen lässt und ich bin auch nicht davor zurückgescheut, für geile Domains Geld auf den Tisch zu legen und Domains auch selber mal zu kaufen.

Welche Kriterien und Kennzahlen gibt es?

Da es jede Menge an Kriterien und Kennzahlen bei Domains gibt, möchte ich hier eine kleine Übersicht über die gängigsten Kennzahlen geben:

  • Länge
  • IDN
  • Backlinks (insbesondere auch DomPop und IpPop)
  • Pagerank
  • Alter
  • Alexa Rank
  • Einträge / Links aus:
    • Dmoz
    • Wikipedia
  • Social Signals
  • Geschichte / Verlauf
  • Suchvolumen
  • Klickpreis

Die Liste lässt sich bestimmt noch weiter fortführen. Im Prinzip sind dies aber die gängigsten Auswahlkriterien für Domains.

Ziele bei der Domainauswahl festlegen

Welche der oben genannten Kriterien dann Beachtung finden sollten und zum Einsatz kommen, hängt maßgeblich von dem oder den Zielen ab, die man bei dem Backordern oder der Registrierung von Domains verfolgt. Zu den Zielen gehören:

  1. Registrieren einer Domain für den Weiterverkauf
  2. Registrieren einer Domain für das Erstellen eines eigenen, echten Projektes
  3. Registrieren einer Domain für das Erstellen eines Projektes für den Linktausch und -verkauf

Alle drei Ziele kann man noch differenzieren, in dem man einmal den Fokus auf eine Keyworddomain legt und einmal auf einen Fantasiebegriff.

Letzteres Ziel ist auch bekannt als Expired-Seiten. Hier kommt es darauf an, möglichst starke Domains (aus Sicht der Backlinks) zu bekommen, um eine Abkürzung bei dem Linkaufbau zu nehmen. Nach den letzten Updates bei Google und Co. rückt dieses Ziel meiner Meinung nach aber immer mehr in den Hintergrund. Ich persönlich setze meinen Fokus immer auf das 2. Ziel, wobei sich dies auch gerne mal aus Zeitgründen dynamisch in das 1. Ziel umwandelt :)

Nichtsdestotrotz finde ich das zweite Ziel mit Fokus auf Keyworddomains am Besten, egal ob man selber ein Projekt erstellen möchte oder die Domain für den Weiterverkauf registriert. So stellt man (je nach dem eigenen Anspruch) einen gewissen Qualitätsstandard sicher und kann einer Domain, wenn man sie nicht verkauft bekommt, auch noch selber projektieren.

Mein Workflow bei der Domainauswahl

Im Folgenden möchte ich meinen Prozess bei der Domainauswahl skizzieren. Ziel ist es, schöne Keyworddomains mit einem hohen Suchvolumen und ausreichend hohen Vermarktungspotential zu entdecken. Ich selber führe den Prozess jede Woche für etwa 30.000 bis 60.000 Domains durch und erhalte dadurch unterm Strich 5 bis 15 Domains, die für mich ein Backorder oder eine Registrierung wert sind.

1. Erstellen einer Domainliste

Ziel bei dem Erstellen einer Domainliste ist es, ein Textdokument zu erstellen, in dem in jeder Zeile eine Domain steht (dabei ist der Editor Notepad++ sehr nützlich). Je nach dem Anbieter, wo man die Domains überprüfen möchte, variiert der Prozess allerdings etwas.

Manche Anbieter (bspw. Realtime oder Dropcatcher) bieten direkt einen CSV-Export an. Diesen öffnet man dann einfach in Excel und kopiert die Domains aus der entsprechenden Spalte in das Textdokument rein.

Ausgangsliste Dropcatcher

Die exportierte Domainliste von Dropcatcher

Andere Anbieter (bspw. Domainorder) bieten keine Exportfunktion, was aber auch kein Beinbruch ist. Hier kopiere ich die komplette Liste (also pro Unterseite der Liste ein Schritt, vorher auf die 1.000-Ansicht umstellen) per Hand in ein neues Textdokument und filter das Dokument mit textmechanic.com entsprechend. Hier benutze ich das Tool Remove Lines Containing… um alle Zeilen zu entfernen, die den Begriff „bieten“ nicht enthalten. Danach filtere ich mit dem Delimited Column Extractor die entsprechende Spalte, in der die Domains stehen, raus. Den letzten Schritt kann man auch per Excel machen, aber für mich geht er mit dem Textmechanic noch etwas schneller.

Delimited Column Extractor

Der Delimited Column Extractor von Textmechanic im Einsatz

2. Überarbeiten der Domainliste

Wenn man ein Textdokument hat, in dem in jeder Zeile genau eine Domain steht, dann kann man diese Liste überarbeiten. Da ich Keyworddomains suche, die ein entsprechendes Suchvolumen haben, muss ich die Liste entsprechend vorbereiten, bevor ich sie im Google Keyword Planer testen kann. Dafür entferne ich die Endung .de mit Notepad++ und der Funktion ersetzen (mit nichts) und ersetze außerdem alle Bindestriche mit einem Leerzeichen. Danach habe ich eine Liste an möglichen Keywords, die ich mit dem Keyword Planer überprüfen kann.

Domainliste überarbeiten

Domainliste überarbeiten mit Notepad++

3. Vorauswahl mit dem Keyword Planer

Die in dem zweiten Schritt entstandene Liste kann man nun Stück für Stück in den Keyword Planer stecken. Dabei muss man beachten, dass der Keyword Planer nur maximal 800 Keywords anzeigt. Mit einem kleinen Trick kann man aber in jedem Schritt 1.500 bis 2.000 Keywords auf einen Schlag überprüfen. Dazu muss man auf der linken Seite einen Filter einrichten, so dass nur Keywords mit einem Suchvolumen von 1 oder größer angezeigt werden.

Ich selber überprüfe nun jede Teilliste in dem Keyword Planer, in dem ich einmal nach Suchvolumen sortiere und alle Keywords mit einem Suchvolumen von mehr als 750 genauer anschaue und in dem ich einmal nach dem Klickpreis (CPC) sortiere.

Vorauswahl Keyword Planer

Vorauswahl mit dem Keyword Planer (sortiert nach dem Klickpreis)

Die Sortierung nach dem CPC hat einen einfachen Grund: Da wir die Domainnamen nicht weiter behandelt haben, kann es vorkommen, dass ein Domainname aus zwei oder mehr Begriffen entsteht. Schreibt man diese Begriffe jetzt zusammen, ist das Suchvolumen unter umständen viel geringer als wenn man die Begriffe mit einem Leerzeichen trennt. Diese Domains kann man aber sehr gut über den Klickpreis entdecken, hier schaue ich mir immer alle Keywords mit mehr als 1 Euro Klickpreis an. Parallel dazu arbeite ich aktuell auch an einer Möglichkeit, die Keywords eines Domainnamens automatisch zu trennen, um damit dann eine Datenbank aufbauen zu können. Dazu aber in den nächsten Tagen mehr!

Wenn ich in diesem Schritt eine Domain gefunden habe, die genügend Suchanfragen, einen ausreichenden Klickpreis (oder gut zu einem meiner Lieblingsthemen) passt, dann kommt diese in eine Vorauswahl.

4. Entscheidung für oder gegen eine Domain

Im letzten Schritt prüfe ich die Domains aus meiner Vorauswahl noch einmal genauer. Dies sollten zum jetztigen Zeitpunkt auch nicht mehr als 20 Domainnamen sein. Dabei prüfe ich insbesondere:

  • Wie hoch ist die Konkurrenz bei Google?
  • Werden bei Google Anzeigen gebucht (das ist ein sehr interessanter Indikator, manchmal gibt es nämlich gute Klickpreise, aber es ist gar keine Anzeige gebucht worden)
  • Ist die Domain auch noch unter anderen Endungen frei?
  • Ist der Domainname unter anderen Endungen projektiert oder stehen diese zum Verkauf?
  • Gibt es ausreichend viele Möglichkeiten, mit dem Thema der Domain Geld zu verdienen? (Partnerprogramme, etc.)
  • Hat die Domain bereits Backlinks und sind diese eventuell schädlich?
  • War in der Vergangenheit bereits ein Projekt auf der Domain drauf?
  • Stehen der Domainname oder Teile davon unter dem Schutz einer angemeldeten Marke?
  • (Finde ich selber das Thema interessant und spannend?)
Ergebnisse

Die finale Domainauswahl (beispielhaft)

Wenn ich mir alle diese Fragen beantworten kann, dann werde ich die Domain entsprechend backordern oder registrieren. Manchmal trenne ich die Domains aber noch in zwei Kategorien: Eine, die nur Musthave-Domains enthält, und eine, die Domains enthält die man mitnehmen kann. Je nach Kategorie richtet sich dann auch mein maximales Budget, das ich pro Domain bereit bin auszugeben.

Fazit

Für mich ist das ein guter und vor allem funktionierender Prozess, mit denen ich riesige Listen von Domains sehr schnell filtern und eine Auswahl treffen kann. In der Regel dauert dies in der Woche nicht mehr als 1 bis 2 Stunden, um etwa 50.000 Domains zu überprüfen. Das ist auf jeden Fall viel schneller, als wenn ich mir jede Domain „per Hand“ anschauen müsste und eine Entscheidung treffen würde, da es mehr oder weniger halbautomatisch funktioniert.

Gerne kannst du mir einen Kommentar mit Fragen und Ergänzungen zu dem Artikel hinterlassen. Interessieren würde mich auch, wie du deine Domains aussuchst und wodrauf du Wert legst. Unterscheidet sich deine Domainauswahlkriterien eventuell komplett von meinem?

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Über Timo Fach

Ich beschäftige mich seit mehreren Jahren mit den Themen Seo, Open Source und Domains.